Wann haben Sie sich das letzte Mal Zeit für sich genommen und etwas gemacht, das Ihnen richtig guttut – ein Stück Kuchen in Ihrem Lieblingscafé gegessen zum Beispiel, einen Abend mit Freundinnen und Freunden verbracht, ein Museum besucht, an einer Sportgruppe teilgenommen oder einfach nur auf der Couch gefaulenzt? Wenn solche Pausen und Wohlfühlmomente länger als ein paar Tage zurückliegen, dann ist es an der Zeit für ein bisschen Selbstfürsorge.
Selbstfürsorge bedeutet nichts anderes, als auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, sie bewusst in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen Raum und Zeit zu geben. Selbstfürsorge ist eine Fähigkeit, die jede und jeder Einzelne von uns jeden Tag auf Neues üben kann – und sollte. Sie hält uns körperlich, emotional und psychisch gesund, beugt Krankheiten vor und hilft dabei, Krankheiten, Belastungen und Stress besser zu bewältigen.
Für Menschen für Demenz und das persönliche Umfeld sind regelmäßige Momente der Selbstfürsorge enorm wichtig. Wenn Sie die Diagnose Demenz erhalten haben oder sich in der frühen Phase einer Demenzerkrankung befinden, kann Selbstfürsorge unter anderem dazu beitragen, krankheitsbedingte Herausforderungen besser zu bewältigen oder mit starken Gefühlen umzugehen.
Wenn Sie einen Menschen mit Demenz begleiten, betreuen oder pflegen, kann es passieren, dass Sie die eigenen Bedürfnisse zurückstellen, eigene Grenzen überschreiten und über kurz oder lang ausbrennen. Wir möchten Sie als An- und Zugehörige deshalb ermutigen, regelmäßig und ohne Schuldgefühle an sich selbst zu denken, bewusste Auszeiten einzuplanen und für sich zu sorgen. Nur so bleiben Sie selbst gesund – und nur so können Sie auf Dauer für einen anderen Menschen da sein.
Im Alltag können selbst kleine Pausen und Momente der Selbstfürsorge schon eine große Wirkung haben. Wie genau Sie diese gestalten und was Ihnen guttut, ist natürlich individuell verschieden und kann je nach Tagesform schwanken. Grundsätzlich gibt es aber einige Aktivitäten und Tätigkeiten, die für ihre positive Wirkung bekannt sind und die wir deshalb an dieser Stelle deshalb noch einmal ausführlicher beschreiben möchten.
Auch die Selbsthilfe kann die Selbstfürsorge verbessern. Menschen, die Teil einer Selbsthilfegruppe sind, berichten unter anderem, dass sie mehr Dinge tun, die ihnen wichtig sind, sich weniger allein fühlen und zuversichtlicher sind. In Berlin gibt es verschiedene Selbsthilfegruppen, die sich an Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen richten und die sich meist einmal pro Monat treffen. Eine Liste unserer bestehenden Angebote finden Sie unter Selbsthilfegruppen.
Ein Auszug aus dem Beitrag „Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt – Gedanken zur Resilienz“ von Anne Bendlin, Mitteilungen 08/2021
„Ich achte sehr darauf, dass die Demenzerkrankung meines Mannes und die dadurch erforderlichen Pflege- und Assistenztätigkeiten nicht mein ganzes Leben ‚ausfüllen‘ und bestimmen, sondern dass auch meine Bedürfnisse und Gefühle ausreichend Raum haben. Zum einen gehört für mich die Akzeptanz meiner ‚negativen‘ Emotionen dazu: sowohl Schmerz und Wut über die Demenzerkrankung als auch Trauer über unsere nicht realisierbaren Pläne. Zum anderen versuche ich, täglich auch erfreulichen und entspannenden Tätigkeiten nachzugehen und mir Zeit für Dinge zu nehmen, die mir wichtig sind und die mir guttun. (…)
Was wem zu welchem Zeitpunkt guttut, hängt von der jeweils empfundenen Belastung ab, ist individuell unterschiedlich und unterliegt Veränderungen. Zur Selbstsorge können z.B. gehören: sich ‚Leerlauf‘ gönnen, Meditation, autogenes Training, Spiritualität, Qi Gong, Musik hören, ein oder mehrere Instrumente spielen, eine oder mehrere Sportarten betreiben, tanzen, Spaziergänge (mit und ohne Hund), Ausstellungen besuchen, shoppen, Latte macchiato oder Wein in einem Lokal trinken (nach den ‚Lockdowns‘), Reisen, professionelle und/oder ehrenamtliche Unterstützung in Anspruch nehmen, Belastungsgrenzen spüren und letztlich auch die Entscheidung, die/den erkrankte*n Angehörige*n nur zu bestimmten Zeiten oder gar nicht mehr in einer gemeinsamen Wohnung betreuen zu können, …
Je besser es mir als pflegender/assistierender Angehöriger geht, desto mehr positive Gefühle/Emotionen hat mein an einer Demenzerkrankung leidender Partner.“
Es gibt eine Vielzahl an Websites, Büchern, Arbeitsmaterialien und Podcasts, die über Selbstfürsorge aufklären und praktische Hilfe bieten. Für den Einstieg in das Thema haben wir Ihnen eine kleine Auswahl zusammengestellt:
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