Prävention

Sie können aktiv dazu beitragen, Ihr Gehirn gesund zu halten. Die Demenz-Forschung konnte in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse darüber gewinnen, was dem Gehirn guttut und wie sich demenzielle Erkrankungen verhindern oder hinauszögern lassen. Seit 2017 hat die medizinische Fachzeitschrift The Lancet den Forschungsstand in drei umfassenden Artikeln zusammengefasst und gezeigt: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, lässt sich über das ganze Leben hinweg in vielen Lebensbereichen positiv beeinflussen.

Das größte Risiko für eine Demenz ist ein hohes Alter. Das bedeutet: Je älter die Menschen werden, desto höher ist die Zahl der Menschen mit Demenz. Aber: Trotz steigender Lebenserwartung hat der Anteil der Menschen, die im Alter an Demenz erkranken, in einigen Ländern tatsächlich abgenommen. Grund hierfür – so vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – sind Verbesserungen in den Bereichen Bildung, Ernährung und Gesundheitsversorgung sowie der Lebensstil.

Risikofaktoren für Demenz

Im letzten Update des Lancet-Artikels von 2024 wurden 14 Faktoren benannt, die das Demenzrisiko erhöhen und die sich gegenseitig verstärken. Diese sind:

  1. Geringe Bildung
  2. Schwerhörigkeit
  3. Bluthochdruck
  4. Bewegungsmangel
  5. Diabetes
  6. Fehlende soziale Kontakte
  7. Übermäßiger Alkoholkonsum
  8. Luftverschmutzung
  9. Rauchen
  10. Starkes Übergewicht
  11. Schädel-Hirn-Trauma
  12. Depression
  13. Hohe Cholesterinwerte
  14. Verlust der Sehkraft

In ihren Berechnungen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Schluss: Fast die Hälfte der Demenzerkrankungen könnte verhindert oder hinausgezögert werden, wenn die Politik entsprechende Maßnahmen zum Schutz erlässt und die Menschen darüber hinaus ihren Lebensstil anpassen. Je früher und je länger sie die Risikofaktoren vermeiden, desto besser ist es für die Prävention. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen aber auch: Es ist nie zu spät, um etwas für die eigene Gesundheit und gegen das Demenzrisiko zu tun.

Unser Gehirn ist dazu in der Lage, Veränderungen und Schäden standzuhalten, mögliche Folgen abzuschwächen und leistungsfähig zu bleiben. Diese Fähigkeit bezeichnet die Wissenschaft als kognitive Reserve. Indem Menschen körperlich, kognitiv und sozial aktiv bleiben, können sie ihre kognitive Reserve stärken und das Demenzrisiko verringern.

Was Sie – unabhängig von Ihrem Alter – tun können, um das Demenzrisiko zu senken und körperlich und geistig gesund zu bleiben:

  • Auf einen erholsamen Schlaf und Entspannung im Alltag achten (siehe Selbstfürsorge).
  • Alltägliche Routinen bewusst durchbrechen.
  • Immer mal wieder etwas Neues lernen – eine Sprache, ein Handwerk, ein Musikinstrument, ein Spiel oder eine Sportart.
  • Die Feinmotorik trainieren – zum Beispiel beim Zeichnen, durch Handarbeiten oder beim Puzzeln.
  • Wann immer möglich aktiv mobil sein – das heißt: Treppen steigen, zu Fuß gehen oder das Fahrrad nutzen.
  • Sich täglich bewegen und regelmäßig Sport treiben.
  • Soziale Kontakte pflegen und sich mit anderen Menschen austauschen.
  • Hörgeräte und Sehhilfen nutzen, wenn das Hör- oder Sehvermögen nachlässt.
  • Lärmbelastungen wenn möglich meiden und bei Bedarf einen Gehörschutz tragen.
  • Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerwerte regelmäßig überprüfen lassen.
  • Grunderkrankungen behandeln lassen, die die Blutgefäße belasten – zum Beispiel ein hoher Cholesterinspiegel und Blutdruck, Diabetes und Adipositas.
  • Ausgewogen und pflanzenbetont essen (siehe Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung).
  • Einen Helm bei Aktivitäten tragen, die ein hohes Risiko für Kopfverletzungen bergen – zum Beispiel beim Radfahren, bei Kontaktsportarten oder beim Bergsteigen.
  • (Psychotherapeutische) Hilfe suchen, wenn Sie unter Depressionen leiden. In Notsituationen können Sie sich unter anderem an den Berliner Krisendienst Weitere Angebote finden Sie in unserem Ratgeber.
  • Weniger rauchen oder ganz mit dem Rauchen aufhören.
  • Weniger oder am besten gar keinen Alkohol trinken.

Über diese Maßnahmen hinaus gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass eine Impfung gegen Gürtelrose das Demenzrisiko senken könnte. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Infektionen und damit entzündliche Prozesse im Gehirn durch Impfungen vermieden werden. Die Gürtelrose-Impfung wird für alle Menschen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen sowie für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und schweren chronischen Erkrankungen, die über 18 Jahre alt sind.

Bei Menschen, die bereits an Demenz erkrankt sind, können Anpassungen im Lebensstil den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. So können zum Beispiel verschiedene (gemeinsame) Aktivitäten und eine aktive Teilhabe neuropsychiatrische Symptome wie Aggressivität, Unruhe, Apathie und Depressionen mindern, ein Gefühl der Sinnhaftigkeit erzeugen und das Wohlbefinden der Betroffenen steigern. Welche Anpassungen sich eignen, hängt von den Lebensumständen und den beteiligten Personen ab. Grundsätzlich kann eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen dazu beitragen, die körperliche Gesundheit und die Lebensqualität zu verbessern sowie die Zahl der Krankenhausaufenthalte zu verringern.

„Anpassungen im Lebensstil können in jeder Lebensphase das Demenzrisiko beeinflussen.“
The Lancet, 2024