Einfach da sein
„Kann ich euch irgendwie unterstützen?“
Schon mit zehn Jahren weiß Brigitte Babilo, Jahrgang 1952, dass sie Krankenschwester werden will. Stolz trägt sie das Kostüm, das ihre Mutter für sie genäht hat. Für die evangelische Christin ist das Alltägliche und die Nächstenliebe das Wesentliche ihres Glaubens. Sie erlernt ihren Traumberuf und arbeitet viele Jahre an unterschiedlichen Orten, in den 1970ern lebt sie drei Jahre im Iran bis sie mit ihrem Mann vor der islamischen Revolution zurück nach Deutschland flieht. 2003 ist Brigitte Babilo geschieden und die Kinder sind aus dem Haus. Da sucht sie eine sinnvolle Beschäftigung. Eine Freundin ist Kassenwartin bei der Alzheimer Gesellschaft Berlin. „Kann ich euch nicht irgendwie unterstützen?“, fragt die ehemalige Krankenschwester, die ihre Einsätze in psychiatrischen Abteilungen immer am interessantesten fand. Das kann sie. Denn genau zu diesem Zeitpunkt beginnt die AGB, erste Ehrenamtliche mit Menschen mit Demenz zusammenzubringen. Brigitte probiert es aus und findet Gefallen daran, jede Woche etwas Zeit mit einem Menschen mit Demenz zu verbringen. Inzwischen hat sie über 20 Menschen begleitet.
„Ich darf immer wieder erleben: Es macht einen Unterschied, dass es mich gibt.“
Warum engagieren Sie sich bei der Betreuungsbörse?
Ich bin dafür da, den Angehörigen etwas Raum zu verschaffen, damit sie selbst noch am Leben teilhaben können.
Was gefällt Ihnen daran, regelmäßig einen Menschen mit Demenz zu besuchen?
Es ist eine wunderbare Art, meine Zeit zu verbringen, weil es nie langweilig wird. Jeder Mensch ist anders, jeder Besuch ist anders. Es gibt einfach kein Schema F. Und das begeistert mich sehr.
Die Besuchszeiten sind für mich auch eine Auszeit von der Hektik und dem Stress in unserem Alltag. Einfach nur da sein. Es spielt sich ganz viel über Mimik und Gestik ab. Manchmal reden wir stundenlang gar nichts, wir sind einfach da, fühlen, was gerade ist. Ein Lächeln sagt so viel! Ich kann das sehr genießen.
„Die Besuchszeiten sind für mich auch eine Auszeit von der Hektik und dem Stress in unserem Alltag.“
Was bekommen Sie zurück für Ihr Engagement?
Oh, ich bekomme sehr viel Wertschätzung und Dankbarkeit. Diese Dankbarkeit berührt mein Herz und löst große Freude in mir aus. Ich darf immer wieder erleben, dass es einen Unterschied macht, dass es mich gibt.
Gibt es eine besonderen Moment, an den Sie immer mal wieder zurückdenken?
Einmal fragte mich ein Kollege aus der Betreuungsbörse, ob ich für ihn einspringen könne, weil er verhindert war. Es war um die Weihnachtszeit und ich sagte zu. Die Begegnung mit dem Betroffenen war ganz leicht und zauberhaft, das hatte ich so nicht erwartet. Wir haben uns wunderbar verstanden. Die Ehefrau, der ich damit etwas Raum verschafft hatte, sagte anschließend zu mir: „Du warst heute mein Rettungsengel.“ Das war ein sehr schönes Gefühl.