Ehrenamtliche

Stephan Otterbach

Der Brückenbauer: Stephan Otterbach

„Das Foto habe ich immer dabei“, sagt Stephan Otterbach und strahlt. Das Bild zeigt ihn und ‚seinen’ Menschen mit Demenz, mit dem er jede Woche in Berlin auf Entdeckungsreise geht.

Hier bin ich richtig

„Es war als hätte ich einen Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen“

Stephan Otterbach, Jahrgang 1975, leitet als Agile Coach Software-Entwicklungsteams. Dort kümmert er sich darum, dass sich alle wohl und gesehen fühlen, begleitet bei Problemen und Unstimmigkeiten. Sein Job erfüllt ihn. Seine Art der Anstellung bringt es mit sich, dass er ab und an drei Monate pausieren muss. Anfang 2024 ist es mal wieder soweit und er fragt sich, wie er, der sich seiner Privilegien bewusst ist, der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Bei der Berliner Freiwilligenbörse entdeckt er die AGB und verabredet sich mit Ehrenamtskoordinatorin Anneke Reddering für ein Kennenlernen. „Ich habe mich sofort unglaublich wohl gefühlt“, schwärmt der alleinerziehende Vater. „So liebevoll, so ein wertschätzender Umgang und so eine Achtsamkeit darauf, dass niemand über seine Grenzen geht. Es war als hätte ich einen Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen. Und ich wusste: Hier bin ich richtig.“ Bald war ein passender Mensch mit Demenz gefunden, mit dem Stephan Otterbach seit Februar 2024 jede Woche ein paar Stunden verbringt.

„Es gibt Momente, in denen sich unsere Welten berühren. Da ist etwas Tiefes, das rührt mich sehr.“

Wie laufen ihre Treffen ab?

Unsere Treffen haben einen ganz geregelten Ablauf. Sie beginnen immer damit, dass er mir seinen Keller aufschließt, damit ich mein Fahrrad dort hineinstellen kann. Auf dem Weg hinunter erzähl er mir, was ihn gerade beschäftigt. Wenn wir dann wieder hinaufsteigen, ist das meistens durch und wir schlendern gemeinsam zur U-Bahn-Station. Wir haben beide immer Lust, etwas gemeinsam zu unternehmen. Mit der U-Bahn fahren wir dann zum Beispiel in ein Museum, eine Ausstellung, letztens waren wir bei einer Führung im Olympiastation, denn er ist großer Hertha-Fan. Wir fühlen uns inzwischen so wohl miteinander, dass wir auch mal schweigend zusammen in der U-Bahn sitzen können, ohne dass es sich komisch anfühlt. Unsere Treffen enden damit, dass wir wieder zusammen in den Keller steigen, damit ich mein Fahrrad herausholen kann. Wenn wir uns dann an der Haustür verabschieden, ist er meistens viel besser drauf als vorher. Und ich auch.

Wie fühlen Sie sich im Kontakt mit Ihrem Schützling?

Wir kennen uns jetzt seit zwei Jahren und ich kann spüren: er ist ein ganz empfindsamer, liebevoller Mann. Obwohl wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben im Leben, passt es sehr gut mit uns. Das hat Anneke wunderbar eingefädelt. Seine Erkrankung spielt in unserem Kontakt kaum eine Rolle. Es macht mich sehr glücklich, in ihm ein positives Gefühl auslösen zu können. Es gibt Momente, in denen sich unsere Welten berühren. Das ist etwas Tiefes, ich kann ihn spüren und mitfühlen. Das rührt mich sehr. Dann könnte ich anfangen zu heulen, und manchmal tue ich das auch.

„Ich habe intensive Erlebnisse im Kontakt mit einem Menschen außerhalb meiner Bubble.“

Sie schenken Zeit, Ideen und Aufmerksamkeit. Was bekommen Sie zurück?

Für mich ist die Zeit mit ihm sehr wertvoll. Ich habe intensive Erlebnisse im Kontakt mit einem Menschen außerhalb meiner Bubble. Ich komme selbst mal raus aus meinem Alltag. Jedes Mal, wenn ich wieder fahre, weiß ich, dass es mir selbst genug gibt, dass es sich lohnt. Und darüber bin ich sehr glücklich.

Was sind für Dich die besten Momente?

Wenn wir zusammen lachen. Humor funktioniert ohne viele Worte und bringt uns jedes Mal ein Stück näher.