Ehrenamtliche

Rachel Mischke

Die Kreative: Rachel Mischke

Ohne bunte Stifte geht Rachel Mischke so gut wie nie aus dem Haus

Zu allem erstmal Ja sagen

„Alle Rachels, die ich kenne, sind witzig“

Rachel Mischke versprüht Lebenslust und Kreativität, wenn sie den Raum betritt. „Alle Rachels, die ich kenne, sind witzig“, erklärt die alleinstehende Frau, Jahrgang 1979, und lacht begeistert. Dann wird sie still und erzählt davon, wie sie sich in die Erschöpfung arbeitet und am Tiefpunkt beginnt, sich Sinnfragen zu stellen: Warum tut sie eigentlich, was sie tut? Was macht ihr Freude? Was erfüllt sie? Eine Ahnung hat sie ja, denn sie spielt in ihrer Freizeit leidenschaftlich Improvisationstheater. Rachel sucht sich Unterstützung. Und sie sucht nach einer kleinen Tätigkeit, die mehr Sinn macht als ihr bisheriger Beruf, etwas, das ihr Freude bereitet. Zufällig liest sie irgendwo, dass die Fähigkeiten, die beim Improvisationstheater trainiert werden, im Umgang mit Menschen mit Demenz sehr hilfreich sind. Also nimmt sie Kontakt mit der Alzheimer Gesellschaft Berlin auf. Anneke Reddering, die Koordinatorin der Betreuungsbörse, findet schnell eine passende Betroffene für die junge Frau: eine Frau mit Demenz, die selbst sehr kreativ ist. Seit Herbst 2025 treffen sich die beiden Frauen einmal in der Woche.

„Am schönsten ist es, wenn sie mir plötzlich etwas anvertraut und dabei kichert. Dann fühle ich mich total gut.“

Was erleben Sie bei den wöchentlichen Treffen?

Oh, es macht mir großen Spaß. Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. Ich habe immer einen Malkasten, Wachsmaler oder andere tolle Farbstifte dabei. Darüber freut sich Ute[1] sehr. Oft malen wir gemeinsam. Beim Malen sind wir ganz bei uns, jeder einzeln, aber zusammen. Das ist ein sehr entspanntes Gefühl. Vorher und danach sprechen wir miteinander. Sie ist sich sehr bewusst über ihre Erkrankung und erzählt mir davon. Ich habe immer einen Plan dabei und bin offen, ihn über den Haufen zu schmeißen. Das machen wir dann eigentlich auch immer.

Das klingt nach viel Improvisation. Was genau ist es, das sie beim Improvisationstheater gelernt haben und Ihnen hier hilft?

Es ist die innere Haltung: erstmal zu allem Ja sagen, was ist. Vollkommen im Moment sein. Was vorher war, was nachher sein könnte – all das ist irrelevant. Es geht einzig und allein um das Hier und Jetzt und darum, was wir zusammen daraus machen. Vieles an den Treffen ist anders als ich es mir vorher vorgestellt habe, aber genau dieses Im-Moment-Sein ist zentral. Nur darum geht es eigentlich.

„Ich merke gar nicht, wie die Zeit vergeht“

Wie laufen die Treffen ab?

Wir schauen zusammen, worauf wir gerade Lust haben und kommen dann ins Tun. Wir sind gemeinsam aktiv und kreativ. Wir tauschen uns darüber aus und gehen aufeinander ein. Meistens malen wir oder machen Sport. Sie ist sehr sportlich. Sie zeigt mir Übungen, ich mache mit. Wir lachen sehr viel. Und ich werde immer wieder überrascht. Ich bin ja ganz neu hier, aber das ist der beste Einstieg, den man haben kann.

Was bekommen Sie selbst von diesen Treffen, was nehmen Sie mit?

Für mich sind diese Treffen Urlaub von der Welt, genauso wie das Impro-Theater. Hier habe ich Urlaub von Erwartungen. Ich muss nur da sein, präsent sein. Das reicht. Und ich habe einfach sehr viel Spaß.

Gibt es Glitzermomente, Momente, die ganz besonders für Sie sind?

Oh, es gibt viele kleine Momente, die glitzern. Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass wir zueinander durchkommen, wenn wir wirklich gemeinsam irgendwo sind. Am schönsten ist es, wenn sie mir plötzlich etwas anvertraut und dabei kichert. Dann fühle ich mich total gut, irgendwie verbunden in Schwesternschaft. Und ganz vertraut.


[1] Name geändert