Sekundäre Demenzen

Sekundäre Demenzen machen rund zehn Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Im Gegensatz zu den primären Formen entstehen sekundäre Demenzen durch andere Erkrankungen oder Störungen, die sich auf das Gehirn auswirken, im Verlauf die Gedächtnisleistung stören, Nervenzellen schädigen und demenzähnliche Symptome verursachen können. Zu den möglichen Auslösern zählen zum Beispiel:

  • Depressionen können zu demenzähnlichen Symptomen führen und das Gedächtnis, die Konzentration und die Denkleistung stark beeinträchtigen. Meist verschwinden die Symptome wieder, wenn die Depression behandelt wird. Eine Demenz wiederum kann depressive Phasen auslösen, weshalb die Unterscheidung der beiden Erkrankungen vor allem bei älteren Menschen schwierig sein kann.
  • Schädel-Hirn-Traumata entstehen durch Gewalteinwirkungen auf den Kopf – etwa durch Unfälle oder Kontaktsportarten wie Fußball, Kampfsport und Eishockey. Leichte Traumata, die sich häufig wiederholen, können zu einer Chronisch Traumatischen Enzephalopathie (CTE) führen – früher wurde diese Demenzform auch als Boxerkrankheit bezeichnet. Bei schweren Traumata hängen die Folgen unter anderem vom betroffenen Gehirnteil oder vom Alter der Person ab. Mehr über die CTE erfahren Sie in Infoblatt 25 der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
  • Beim Normaldruckhydrozephalus – auch Altershirndruck genannt – sammelt sich zu viel Nervenwasser im Gehirn an, was zu den folgenden drei Symptomen führt: kognitive Beeinträchtigungen, Gangstörungen und Blasenschwäche. Betroffen sind meist ältere Menschen über 70 Jahren. Die Erkrankung kann außerdem durch Blutungen, Kopfverletzungen, Entzündungen oder Tumore ausgelöst werden (siehe Weitere Demenzen).
  • Ein jahrelanger Alkoholmissbrauch kann das Gehirn schwer schädigen und das sogenannte Korsakow-Syndrom auslösen (siehe  Weitere Demenzen). Betroffen sind vor allem die Gehirnareale für die Gedächtnisbildung und die Regulierung der Emotionen.
  • Ein Mangel an Vitamin B12 kann durch eine einseitige Ernährung oder eine schlechte Nährstoffaufnahme entstehen und zu Symptomen wie Gedächtnisstörungen, Verhaltensänderungen und Unruhe führen. Zu den Risikofaktoren für einen Vitamin-B12-Mangel zählen unter anderem ein hohes Alter, Typ-2-Diabetes, eine vegetarische oder vegane Ernährung und Alkoholabhängigkeit.
  • Hirntumore können demenzähnliche Symptome auslösen wie Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme oder Veränderungen von Verhalten und Persönlichkeit. Die Art der Symptome ist abhängig von ihrer Lage im Gehirn.

Weitere mögliche Ursachen für demenzielle Symptome sind zum Beispiel Stress und Burn-out, Stoffwechselstörungen wie eine Unterfunktion der Schilddrüse, hormonelle Veränderungen wie in den Wechseljahren, Drogenmissbrauch, Infektionskrankheiten wie Neurosyphilis und HIV/Aids, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Neuroborreliose und bestimmte Herpesinfektionen, Hirnblutungen oder chronische Vergiftungen. Darüber hinaus können manche Medikamente – zum Beispiel schmerzstillende oder blutdrucksende Medikamente – die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Dadurch, dass die Ursachen in anderen Erkrankungen liegen, können sekundäre Demenzen – je nach Art und Stadium der Grunderkrankung – behandelbar sein. Erfolgt die Behandlung frühzeitig, lässt sich der Zustand stabilisieren, die Demenzsymptome können sich zum Teil zurückbilden und beeinträchtigte Gehirnfunktionen wiederhergestellt werden. Sekundäre Demenzen können also reversibel sein. Allerdings gelingt das nur selten. Das heißt: Die Symptome lassen sich nur in wenigen Fällen teilweise oder vollständig umkehren.