Die Frontotemporale Demenz (FTD) macht etwa fünf Prozent der Demenzerkrankungen aus. Als eigenständige Krankheitsform wurde sie erstmals durch den Psychiater und Neurologen Arnold Pick beschrieben, der sie von der Alzheimer-Demenz abgrenzte. Der Name leitet sich aus den betroffenen Gehirnteile ab: dem Frontallappen, der hinter der Stirn liegt und sich bis zur Mitte des Schädels erstreckt, und den Temporallappen, die seitlich unterhalb der Schläfen liegen. In der Medizin ist für diese Form der Demenz auch der Begriff Frontotemporale Lobärddegeneration gebräuchlich – kurz: FTLD.
Abhängig davon, in welchem Gehirnteil Nervenzellen absterben, äußert sich die FTD durch unterschiedliche Symptome. Die FTD tritt in diesen Varianten auf:
- Bei der Verhaltensvariante verändern sich die Persönlichkeit und das Sozialverhalten. Der medizinische Fachbegriff lautet „behaviorale Variante der frontotemporalen Demenz“, kurz: bvFTD.
- Die Sprachvariante führt zu Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben. Die Medizin bezeichnet diese Variante als „primär progressive Aphasie“ (PPA) und unterscheidet die folgenden Untertypen:
- Nicht-flüssige PPA: Einschränkungen der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Menschen mit dieser Variante können trotz ihrer sprachlichen Einschränkungen im Alltag oft weiterhin aktiv sein.
- Semantische PPA: Einschränkungen des Sprachverständnisses
- Logopenische PPA: Wortfindungsstörungen, verlangsamte Sprechweise und eingeschränktes Verständnis der Grammatik
Die Alterspanne, in der Menschen mit FTD diagnostiziert werden, liegt zwischen 20 und 85 Jahren. Meist erkranken Betroffene jedoch im Alter von 50 bis 60 Jahren.
Symptome und Verlauf
Im Unterschied zur Alzheimer-Demenz bleiben das Gedächtnis und das Denkvermögen bei einer FTD anfangs oft unverändert. Im Vordergrund stehen zunächst Veränderungen des Verhaltens und der Persönlichkeit oder Beeinträchtigungen der Sprache – selten auch beides. Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten Konzentrationsschwierigkeiten sowie Sprach- Gedächtnis- und Orientierungsstörungen auf.
Die bvFTD beginnt fast immer damit, dass sich Persönlichkeit und Sozialverhalten verändern. Menschen, die an bvFTD erkrankt sind, wirken zunehmend anteilslos, unkonzentriert, leichtsinnig und manchmal auch manisch. Sie vernachlässigen ihre Pflichten, handeln unüberlegt, reagieren ungehalten und verlieren das Interesse an ihren Hobbys, ihrem Umfeld und sich selbst. Viele ziehen sich zurück und wirken teilnahmslos.
Für Menschen mit bvFTD verlieren Regeln und soziale Normen an Bedeutung und werden nicht mehr beachtet. Eigene Regelverletzungen werden nicht als solche wahrgenommen. Es kann dazu kommen, dass Erkrankte Situationen falsch einschätzen oder sich entgegen der sozialen Norm verhalten. Mitunter kann eine bvFTD zu enthemmten Handlungsweisen führen – etwa in Bezug auf Alkohol, Essen, sexuelles Verhalten, Einkaufen oder Diebstahl.
Behandlung
Für die Behandlung der FTD gibt es keine spezifischen Medikamente. Um Verhaltensauffälligkeiten und Depressionen zu behandeln, können gegebenenfalls Neuroleptika und Antidepressiva eingesetzt werden. Mögliche nicht-medikamentöse Therapien hängen von den Symptomen ab und davon, ob die erkrankten Personen mitwirken. Zu den nicht-medikamentösen Therapien zählen unter anderem Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Die Kosten werden zum Teil von den Krankenkassen übernommen.
Was Sie als Angehörige und Zugehörige tun können
Der Umgang mit Menschen, die an bvFTD erkrankt sind, kann sehr herausfordernd sein. Oft ist es schwer, unsoziales Verhalten und emotionale Gleichgültigkeit als ein Symptom der Krankheit zu verstehen und nicht auf sich zu beziehen.
Menschen mit bvFTD brauchen eher eine individuelle Betreuung. Eine möglichst stressarme Umgebung und abwechslungsreiche Aktivitäten sind oft wichtiger als Aktivitäten in Gruppen. Mögliche Aktivitäten sind zum Beispiel Bewegung und Sport, Arbeiten in Haus und Garten, das Sortieren von Gegenständen, Musik und Tanz.
Mit dem Voranschreiten der Erkrankung brauchen die Betroffen mehr Betreuung und Pflege, was schwer und belastend sein kann. Es ist hilfreich, sich frühzeitig mit Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu befassen und Wege im Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln. Wenden Sie sich für eine Beratung gern an uns. Vielen Menschen hilft auch der Besuch von Selbsthilfegruppen für An- und Zugehörige oder ein Austausch im FTD-Forum der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Weitere Informationen
- Infoblatt 11 der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
- Deutsche Gesellschaft für Frontotemporale Degeneration
- Demenz-Podcast # 21 über Frontotemporale Demenz
- Mitteilungen Nr. 30: Schwerpunkt „Frontotemporale Demenzen aus Sicht der Fachleute und der Angehörigen“
- Mitteilungen Nr. 46: Schwerpunkt „Frontotemporale Demenz“
- Mitteilungen Nr. 61: Beitrag „Leben nach der Diagnose FTLD“ von Christel Friese-Magnier